Digitalisierung ermöglicht Sonderschaltschrankbau ab Losgröße eins ohne Mehrkosten

Was herauskommt, wenn sich ein innovativer Unternehmer aus dem Bereich Blechbearbeitung und Maschinenbau dem Thema Digitalisierung im Mittelstand stellt, kann man sich im Nordschwarzwald anschauen. Im beschaulichen Neubulach, südwestlich von Stuttgart, hat die Fimab GmbH ihren Sitz und bietet ihren Kunden einen einzigartigen Service. Und das nicht nur dort, denn Markus Fiedler hat sein Business in die Cloud verlegt, so dass sich jeder im Internet ein Bild von seinem Erfolgsmodell machen kann.

Sein Blechbearbeitungsbetrieb stellt neben anderen Maschinenkomponenten auch Schaltschränke her, was auf den ersten Blick nicht besonders sexy klingt. Interessant wird es allerdings dann, wenn der Kunde absolut frei in der Wahl der Maße des Produktes, des Materials, der benötigten Bohrungen und Zusatzmodule und der Farbe ist. Richtig spannend wird es aber dann, wenn der Bestellprozess durch eine intelligente Programmierung per Drag and Drop weniger als 3 Minuten dauert und von jedem Ort auf dieser Welt 24/7 online getätigt werden kann. Während jedem Bestellschritt sieht der Kunde ein 3D-Modell und eine Übersicht der Kosten. Per Klick wird die Bestellung an Fimab gesendet. Einzigartig ist es, wenn dann die gewünschte Sonderanfertigung innerhalb vom 10 Tagen fix und fertig geliefert wird.

Garantieren kann Fimab dies durch den Online Konfigurator ARMARIO. Dieser verkürzt die Bestellzeit von drei Tagen auf drei Minuten und die Lieferzeit von 10 Wochen auf 10 Tage. Denn die Bestelldaten, die aufgrund einer ausgeklügelten Plausibilitätsprüfung eine extrem präzise und fehlerfrei Herstellung garantieren, werden automatisch sowohl in das ERP der Fimab als auch in das CAD System des Produktionsprozesses geschickt. Somit kann die Fimab ohne Mehrkosten gegenüber einer Serienfertigung ein exakt auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnittenes Sonderprodukt herstellen, selbstverständlich ab Losgröße eins. Wer schon einmal bei online ein T-Shirt konfiguriert hat, kommt auch mit Armario klar.

Dass Markus Fiedler die Wünsche seiner Kunden so exakt kennt, liegt daran, dass er eine Lehre zum Elektroniker abgeschlossen hat und dort den Steuerungsbau gelernt hat. Schon als Azubi hat er sich mit Schaltschränken herumgeschlagen, die nicht passen und hat unzählige Löcher in Gehäuse gebohrt. Im elterlichen Blechbearbeitungsbetrieb hat er dann die Blechbearbeitung von der Pike auf gelernt. Dazu gehört, wie man Gehäuse fach- und normgerecht konstruiert, Schweißnähte dicht und Bolzen fest schweißt. Während seines Studiums des Product Engineering fügten sich diese ganzen Puzzleteile zu einem großen Ganzen: Steuerungsbau, Blechbearbeitung und Projektmanagement führten dann zum heutigen Online-Konfigurator.

Case Study

Dabei stand der Kundennutzen primär im Focus. Wie groß der Vorteil für einen Kunden sein kann, lässt sich am besten an einem praktischen Beispiel verdeutlichen. Ein Maschinenbauer hat eine Maschine mechanisch fertig konstruiert, es fehlt jetzt nur noch die Elektrik und der passende Schaltschrank. Der Platz dafür ist, wie immer zu klein und der Schrank muss unten rechts unter die Prozessebene. Die in Frage kommenden Standardgehäuse sind entweder zu groß für den Platz oder zu klein für die Steuerung, nicht zu vergessen die Reserve nach Maschinenrichtlinie. Wenn die Standards in der Breite so in etwa passen würden, sind sie nicht tief genug oder umgekehrt. Ein Sonderschaltschrank muss her. Jetzt wendet sich der Elektroplaner an den Konstrukteur und bittet ihn um eine Zeichnung der Sonderkonstruktion. Nach zwei Tagen wendet sich der Konstrukteur an die Einkaufsabteilung, die ein Angebot ihres bevorzugten Lieferanten schriftlich anfordert. Dieser meldet zurück, dass der Schaltschrank so nicht produziert werden kann und in einigen Punkten angepasst werden muss. Der Konstrukteur zeichnet die entsprechenden Anpassungen und der Prozess beginnt von vorne. Bis der letztendlich passende Sonderschaltschrank dann gebaut werden kann, sind manchmal schon zwei Wochen verstrichen.

Der Online-Konfigurator Armario hingegen überträgt den beschriebenen Vorgang auf einen kompakten digitalen Prozess und versetzt den Anwender in die Lage, vom Design bis zur Bestellung alles selbst in die Hand zu nehmen. Er wählt die Variante aus und gibt die freien Maße des Schalschrankes ein. Lochbilder werden per Drag and Drop hinzugefügt und die Farbe aus der kompletten RAL Palette ausgewählt. Der Preis und ein 3-D Modell werden während des Bestellprozesses ständig angezeigt.

Grundlagen der Digitalisierung bei Fimab

Dass sich die Industrielandschaft in den kommenden Jahren durch die Digitalisierung maßgeblich ändern wird, ist unumstritten. Doch was bedeutet dies für kleine und mittelgroße Hersteller und wie können diese von dieser Entwicklung profitieren? Markus Fiedler ist sich sicher, dass nur der überleben wird, der Herr über alle Daten in Zusammenhang mit seinen Kunden ist. Nur wer weiß, welche Produkte mit welchen Features in welcher Menge zu welchem Zeitpunkt der Kunde haben will, kann die bestmögliche auf dessen Bedürfnisse zugeschnittene Lösung bieten. Wer in Zukunft nicht auch in der Nacht von Samstag auf Sonntag seine Bestellung passgenau zu einem verbindlichen Preis bestellen kann, wird sich einen anderen Anbieter suchen. Dieser Anbieter will Fiedler mit seiner Firma sein.

Der Digitalisierungsprozess im Mittelstand sei ein Weg der kleinen Schritte. Wichtig sei es hierbei, die eigenen Prozesse und Abläufe zu analysieren und wenn es sinnvoll ist, diese durch automatisierte digitale Abläufe zu ersetzen, so Markus Fiedler. Angepackt würden bei der Fimab nur die Prozesse, bei denen man einen Nutzen für das eigene Unternehmen oder den Kunden sehe. Dabei rät Fiedler, immer den Weg der integrierten Ansätze zu verfolgen. Alle Systeme und alle Bereiche müssen offen miteinander kommunizieren können. Somit können Neuentwicklungen leicht angebunden werden.

Fimab baut auf drei Säulen

Das erste Zauberwort lautet API. Die Systeme müssen unbedingt modular aufgebaut und mit universellen Schnittstellen verknüpft werden. Dies ermögliche, einzelne Module auszutauschen oder einmal programmierte Module in andere Systeme zu übertragen.

Ein weiterer Grundsatz laute, dass das System jederzeit und von jedem Anwender in seiner Gesamtheit nutzbar sein müsse. Hier setzt Fiedler auf SAAS, Software as a Service. Das System müsse unbedingt in seiner Gesamtheit eine Cloudlösung sein. Diese wird mit allen Funktionen, 24/7 erreichbar ins Internet gehoben. Softwaredownload und Lizenzen gehören der Vergangenheit an. Die traditionellen Vorgänge werden aus den Abteilungen herausgelöst und gebündelt für jeden zugänglich gemacht. Damit entfallen die zeitraubenden Übergänge zwischen den einzelnen Abteilungen und der gesamte Prozess wird für eine Person steuerbar.

Die letzte Säule heißt „Segment of one“. Fimab nutzt die Möglichkeiten der Digitalisierung um kundenspezifisch individualisierte Produkte in Losgröße eins zu fertigen. IOT ermöglicht hier eine automatisierte Produktion von individualisierten Produkten, was nicht nur neue Möglichkeiten im Bereich Prototyping eröffnet, sondern auch Kunden mit nur kleinem Bedarf gerecht wird.

Nutzen fürs eigene Unternehmen

Durch den digitalisierten Prozess muss Fimab keine Produkte auf Verdacht und Vorrat produzieren und kann damit ressourcenschonend wirtschaften. Durch die Eingabe der Nutzerdaten durch den Kunden und deren Übernahme in das ERP System sowie die Plausibilitätsprüfung der bestellten Elemente durch Übernahme der Produktdaten aus Herstellerinformationen, reduziert sich die Fehleranfälligkeit durch manuelle Eingabe der vorher schriftlich erhaltenen Daten. Zudem spart es erheblich Zeit im Bestellwesen und der Kundenverwaltung.

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